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Eine Liebeserklärung an meine Muttersprache

Deutsch ist unmodern, langweilig, hart und nicht poetisch. Die Vorurteile über unsere Muttersprache sind unerbittlich und lang. Sie ist sehr präzise, dass scheint im Moment das Beste zu sein was man ihr nachsagt. Unsere Medien verstärken den Eindruck noch. So erschien am 14. Februar in der „Zeit“ ein Artikel, der das deutsche und arabische Liebesgeflüster beschreibt. Darin werden die arabischen Kosenamen als: “ …die raffinierten Komplimente“, „… reinste Form der Sprache der Liebe“ oder „… ruft der Liebende die Liebende mit den Namen von Tieren. Doch handelt es sich hierbei stets um erstrebenswerte, anmutige Geschöpfe.“ beschrieben. Während die deutschen Kosenamen: „… fellige, etwas plumpe und ganz und gar gewöhnliche Tiere, …“ sind.

Deutsch unmodern, unpoetisch, plump oder eine Lachnummer, wie dieser Artikel von watson.ch leicht satirisch feststellt. – „Zum Glück müssen wir nicht Deutsch lernen! So lacht das Internet über unsere Sprache“. – Viele scheinen das zu glauben.

Damit Deutsch moderner wird, bilden wir Sätze mit englischen Wörter und nicht selten wird es dann nicht mehr verstanden. Das beste Beispiel ist vermutlich die ehemalige Werbung der Drogeriekette Douglas: „Come in and find out.“ Die Botschaft kam nicht an, weil viele es interpretierten als: „Komm herein und finde heraus.“ Doch selbst einfache Begriffe, wie „weekend“ sind noch lange nicht jedem geläufig. Jeden Monat steht jemand vor mir, der nicht genau weiß, was dieses Wort auf der Preisliste bedeuten soll.

Außerdem verwenden wir gerne englische Wörter, welche es nicht sind. Sie klingen so, deshalb denken wir das und hinterfragen es nicht. Mein absoluter Favorit im Moment sind da „Country Cuts“, eine Kartoffelbeilage. Die meisten Speisekarten übernehmen den Namen auch als englische Übersetzung, schon ein einfache Suche bei Google würde zeigen, es geht da eher ums Haare schneiden, als um Rezepte.

Wer meinen Blog regelmäßig besucht wird es wissen, inzwischen spreche ich mehr oder weniger gut vier Sprachen. Ich beschäftige mich gern mit Fremdsprachen, ich mag das Spiel mit den Wörtern und das Eintauchen in eine fremde Kultur. Jede Sprache hat dabei ihre Besonderheiten und jede ist auf ihre Art schön, aber im Laufe meines Lebens und mit jeder neuen Sprache, lernte ich auch meine Muttersprache besser kennen, mehr zu lieben und zu schätzen. Diese beschreibt für mich am besten, wie ich lebe, träume, denke und fühle.

Unsere Sprache kennt Worte, die es in vielen anderen Sprachen so nicht gibt, Geborgenheit zum Beispiel. Wer es nachschlägt, wird feststellen, dass man es im englischen, französischen und auch im italienischen mit einem „Gefühl für Sicherheit“ oder auch nur mit „Sicherheit“ bzw. einem „cocon familial“ übersetzt, diese Übersetzung charakterisiert für uns ja nur einen kleinen Teil des Wortes. Für das Wort „Fernweh“, wer kennt das nicht, sagt man im Englischen das deutsche Wort „wanderlust“. Ja, Deutsch ist ebenfalls eine sehr präzise Sprache, wir haben für fast jede Eventualität ein Wort. Es lohnt sich die Mühe einmal im Wörterbuch nachzuschauen mit wie vielen Wörtern wir „take“ übersetzen. Ich kenne einige Engländer die gerade deshalb mit Begeisterung Deutsch lernen. Natürlich geht das auch anders herum, meine Italienisch-Lehrerin hat uns einmal erzählt, die Italiener kennen sieben Wörter für „Wolke“. Warum das so ist? Es ist für die Italiener wichtig, für sie ist das so wichtig, wie für uns Geborgenheit. Sprache ist doch viel mehr als nur eine Aneinanderreihung von Wörtern, sie entwickelt sich, drückt die Geschichte, Kultur und Mentalität eines Landes aus. Vom Wetter über technische Erfindungen, den Einfluss anderer Länder, die Landschaft bis zum Schriftsteller, alles hinterlässt Spuren in der Sprache einer Region oder eines Landes.

Gerade weil ich als Deutsche in der Schweiz lebe, stelle ich auch immer wieder fest, wie Sprache auch stets eine Verbundenheit zu meiner Heimat herstellt. Wenn mir jemand mit meinem Dialekt begegnet, bin ich für einen Moment zu Hause und damit möchte ich nicht sagen, dass ich mich hier nicht wohlfühle, im Gegenteil. Unsere Muttersprache ist einfach ein wichtiger Teil unserer Identität.

Dennoch ist Deutsch nicht auch poetisch?  Muss man sich diese Frage wirklich stellen, wenn wir doch auch als das Volk der Dichter bekannt sind? Ich denke nicht. Wir gehen mit der deutschen Sprache hart ins Gericht, dabei liegt es an uns, wie wir sie verwenden. Goethe schrieb: „Die Sprache bringt doch eine Art von Atmosphäre des Landes mit.“ Fangen wir die Atmosphäre um uns herum ein und entdecken die Schönheit unserer Muttersprache neu.

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4 Kommentare zu „Eine Liebeserklärung an meine Muttersprache

  1. Hallo,

    ich habe diesen Blog gerade rein zufällig gefunden – was sehr schade ist, da ich mich als Selbstlerner der russischen Sprache und als Liebhaber der deutschen Sprache so voll und ganz in diesen Inhalten hier aufgehe. Einen neuen Stammbesucher hat dieser Blog auf jeden Fall gewonnen. Vielen Dank! Большое спасибо!

    Sebastian Klaus

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